Poldi ist 10 Jahre alt und ihr Lieblingsspiel ist "Mensch ärgere dich nicht". Wenn sie mit anderen Kindern spielt, sucht sie sich immer die gelben Püppchen aus, denn gelb ist ihre Lieblingsfarbe. Außerdem gewinnt sie damit häufiger. "Zu gewinnen ist schön", sagt sie, "aber manchmal verliert man auch". So ist das eben. Sich darüber zu ärgern, das hat "Poldi" - so ihr Spitzname - gar nicht nötig.
Leopoldina ist nicht zum ersten Mal im Friedensdorf. Die Hilfsorganisation holte sie bereits im Mai 2007 im Rahmen des 40. Angola-Hilfseinsatzes zum ersten Mal nach Deutschland. Damals plagte sie eine Knochenentzündung (Osteomyelitis) im rechten Arm, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden konnte und die ihren Arm schon ziemlich steif gemacht hatte. Zusammen mit rund 70 anderen Kindern kam sie nach Deutschland, um hier medizinische Hilfe zu erhalten und musste dafür, wie alle anderen Kinder auch, ihre Eltern und Geschwister zurücklassen. Auch wenn Poldi inzwischen die Erfahrung gemacht hat, dass sie nach ihrer Behandlung bald wieder in ihre Heimat zurückkehrt und von ihrer Familie dort freudig erwartet wird, tut die Zeit der Trennung weh.
Poldi weiß genau, was sie sich wünscht: Nämlich ihre Familie bald wieder zu sehen, die in Angola, genauer in der Provinz Bié, lebt. Angola liegt in Südwestafrika und Poldi befindet sich gerade in Europa - in Deutschland - im Ruhrgebiet - in Oberhausen - im Friedensdorf - im Lernhaus. Das ist so ähnlich wie eine Schule, aber wirklich nur ungefähr ähnlich und bestimmt ganz anders als die Schule in Poldis Heimatort.
Poldi scheint für sich einen guten Weg gefunden zu haben, mit der Situation fern von Zuhause umzugehen. Deutsch hat sie natürlich schon längst gelernt. Mit ihren zehn Jahren und ihrem dreimaligen Auslandsaufenthalt ist Poldi inzwischen schon ein Profi. Deswegen weiß sie auch, wie den kleineren Kindern zu Mute ist, wenn sie ohne mae und pae ins fremde Deutschland kommen und zuerst nur die notwendigsten Gebärden für "Hunger", "Durst", "Schmerzen" und "Pippi machen" kennen. Poldi kann dann vermitteln. Sie dolmetscht und kümmert sich um die Kinder auf dem langen Flug und während der Eingewöhnungszeit im Dorf.
Als sie zu ihrem jüngsten Aufenthalt eintraf, sagte sie, ihrem Arm gehe es schon wieder gut. Es müsse nur noch die Metallplatte entfernt werden, die ihr Ende 2009 eingesetzt worden war, um die Stabilität zu erhöhen und ihren von der Entzündung stark angegriffenen Knochen besser nachwachsen zu lassen. Angst vor der Operation habe sie nicht, sie kenne das ja schon, was im Krankenhaus passiert.
Poldis Zuversicht hat sich ausgezahlt. Die Entfernung der Metallplatte ist vor einigen Wochen geglückt und die anschließende Krankengymnastik hat sie mit links, oder besser gesagt "mit rechts" gemacht. Ein gutes Vorbild und Ansporn für die Kleinen. Wer gut mitmacht, wird schneller gesund und umso kürzer wird die Wartezeit bis es zurückgeht zu Eltern, Geschwistern und Freunden, die daheim sehnsüchtig warten.
Poldi hat es bewiesen, denn Anfang November ist sie im Rahmen des 49. Angola-Hilfseinsatzes zurückgeflogen, begleitet von einigen "ihrer" kleinen Schützlinge aus dem Friedensdorf. Zum Abschied strahlte und winkte Poldi, ein ganz normales Mädchen, ein besonders normales!


